Ein Glas zum Runterkommen?

Was Alkohol im Körper bewirkt und warum Frauen empfindlicher als Männer auf Alkohol reagieren 

Aktuell wird auch in der öffentlichen Diskussion immer deutlicher thematisiert, wie schädlich selbst geringe Mengen Alkohol sein können. Der frühere Irrglaube, das berühmte Glas Rotwein sei gut für das Herz-Kreislauf-System, ist längst überholt. Auch die Annahme, dass dieses eine Glas zur Entspannung beitrage, ist auf längere Sicht widerlegt.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist vielmehr, dass Alkohol ein Zellgift ist, das nahezu alle Körpersysteme beeinflusst:

  • Leber: Die Leber ist das zentrale Organ für den Alkoholabbau. Dabei entstehen Zwischenprodukte wie Acetaldehyd, die toxisch wirken und Entzündungsprozesse fördern können. Die Leber wird dadurch stark beansprucht, was langfristig zu einer Fettleber oder anderen Leberschäden führen kann.
  • Hormonhaushalt: Alkohol beeinflusst die Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol, Insulin und Östrogen. Bei Frauen kann dies besonders in den Wechseljahren zu einer Verstärkung hormoneller Dysbalancen führen.
  • Zentralnervensystem: Alkohol wirkt dämpfend auf das Gehirn, was kurzfristig entspannend wirken kann, langfristig aber Schlafqualität, Konzentration und Stimmung beeinträchtigt.
  • Immunsystem: Regelmäßiger Alkoholkonsum schwächt die Immunabwehr, da wichtige Immunzellen in ihrer Funktion gehemmt werden.
  • Darmflora und Verdauung: Alkohol kann die Darmbarriere schädigen, die Zusammensetzung der Mikrobiota verändern und Entzündungen im Verdauungstrakt fördern.
  • Krebsrisiko: Alkohol gilt als krebserregend, insbesondere in Bezug auf Brust-, Leber- und Darmkrebs. Das Risiko steigt mit der konsumierten Menge.

Damit ist Alkohol definitiv kein harmloses Genussmittel!

Ein vollständiger Verzicht auf Alkohol ist in der Regel nicht erforderlich, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Vielmehr geht es darum, ein feines Gespür für die individuellen Bedürfnisse des eigenen Körpers zu entwickeln und klare Entscheidungen zu treffen. Besonders in sensiblen Lebensphasen lohnt sich ein bewusster, achtsamer Umgang.

Frauen reagieren empfindlicher auf Alkohol, die weibliche Physiologie macht den Unterschied

Frauen vertragen Alkohol grundsätzlich schlechter als Männer, weil sie durch ihre Physiologie stärker von den Auswirkungen des Alkohols betroffen sind. Und was viele nicht wissen: Frauen entwickeln aufgrund ihrer Physiologie schneller eine Abhängigkeit als Männer. 

Die biologischen Gründe hierfür sind:

  • Weibliche Körper haben im Schnitt einen niedrigeren Wasseranteil, dadurch steigt die Akoholkonzentration im Blut bei gleicher Trinkmenge schneller als bei Männern an.
  • Frauen verfügen über weniger Anteile des Enzyms Alkoholdehydrogenase, welches stark am Abbau des Alkohols beteiligt ist. Dadurch bleibt der Alkohol länger im Blut und der Abbau erfolgt langsamer.
  • Hormonelle Einflüsse: Zyklusphasen beeinflussen zusätzlich, wie stark Alkohol wirkt. In bestimmten Phasen kann die Wirkung intensiver sein.
  • Ein geringeres Körpergewicht und eine geringere Körpergröße führen dazu, dass Alkohol schneller wirkt und der Konsum länger nachhallt. Frauen haben im Durchschnitt weniger Körpermasse.

Wir Frauen durchlaufen zusätzlich besonders intensive Lebensphasen wie z.B. in den Wechseljahren. Der Umgang mit Alkohol kann aufgrund der hormonellen Veränderungen in dieser Phase eine besondere Rolle spielen. Die Verträglichkeit verändert sich und gesundheitliche Aspekte rücken stärker in den Vordergrund.

Wie wirkt Alkohol in den Wechseljahren auf den weiblichen Körper?

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„Früher hat mir ein Glas Wein am Abend gutgetan. Heute wache ich davon mitten in der Nacht auf: unruhig, verschwitzt und mit Herzklopfen.“

Dann sind Sie damit nicht allein. Viele Frauen berichten, dass sie Alkohol in den Wechseljahren plötzlich weniger gut vertragen. Was früher entspannend gewirkt hat, fühlt sich heute oft belastend an. In den Wechseljahren reagiert der Körper empfindlicher auf äußere Einflüsse, und Alkohol ist da keine Ausnahme. Das eine Glas, das in der Vergangenheit vielleicht als entspannender Genuss galt, kann jetzt unangenehme Nebenwirkungen mit sich bringen.

Einige der häufigsten Auswirkungen sind:

  • Verstärkte Hitzewallungen und Schlafstörungen: Alkohol erweitert die Blutgefäße und kann so Hitzewallungen intensivieren. Auch der Schlaf wird leichter und unruhiger, besonders in der zweiten Nachthälfte.
  • Belastung für die Leber: Die Leber ist in dieser Lebensphase ohnehin stark gefordert, da sie Hormone abbaut. Alkohol erhöht diese Belastung zusätzlich und kann den Hormonstoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen: Alkohol wirkt zunächst stimmungsaufhellend, kann aber im Nachgang depressive Verstimmungen verstärken. Gerade in einer Phase, in der die Stimmung ohnehin schwankt, kann das sehr herausfordernd sein.
  • Gewichtszunahme: Alkohol enthält viele „leere“ Kalorien und beeinflusst den Blutzuckerspiegel. In Kombination mit einem verlangsamten Stoffwechsel kann das zu einer ungewollten Gewichtszunahme führen.
  • Erhöhtes Brustkrebsrisiko: Studien zeigen, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für hormonabhängige Krebserkrankungen wie Brustkrebs erhöhen kann. Ein Aspekt, der in dieser Lebensphase besonders ernst genommen werden sollte.
  • Stoffwechsel: Mit den hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren verändert sich auch der Stoffwechsel. Der Körper baut Alkohol langsamer ab, weil sich die Enzymaktivität in der Leber verändert und der Wasseranteil im Körper sinkt. Das bedeutet: Die gleiche Menge Alkohol führt jetzt zu einer höheren Konzentration im Blut.
  • Das Nervensystem reagiert ebenfalls empfindlicher. Was früher vielleicht nur ein leichtes Schwanken war, kann sich heute wie ein Kater anfühlen. Viele Frauen berichten, dass sie schon nach einem Glas Wein Kopfschmerzen, Herzklopfen oder Schlafprobleme bekommen.
  • Zudem ist der Körper in dieser Phase oft mit mehreren „Baustellen“ gleichzeitig beschäftigt: Hormonumstellung, Schlafmangel, emotionale Herausforderungen. Alkohol wirkt da wie ein zusätzlicher Stressfaktor, der das Gleichgewicht noch weiter stören kann.

Was könnte dieses im Alltag bedeuten?

Ein bewusster, achtsamer Umgang mit Alkohol heißt nicht zwangsläufig Verzicht, sondern ist vielmehr eine Einladung, die eigene Lebensweise zu reflektieren und gegebenenfalls neu auszurichten. Wenn Sie auf die Signale Ihres Körpers hören und im Einklang damit individuelle Entscheidungen treffen, können Sie diese Lebensphase mit mehr Leichtigkeit, Klarheit und Wohlbefinden gestalten.

Vielleicht stoßen Sie folgende Anregungen dazu an, Ihren Alkoholkonsum einmal kurz zu hinterfragen:

1. Beobachten Sie aufmerksam, wie sich Ihr Körper nach dem Konsum alkoholischer Getränke verhält:

  • Wie ist Ihre Schlafqualität?
  • Wie ist Ihre Stimmungslage?
  • Und Ihr Energielevel am Folgetag?

2. Qualität vor Quantität!

Wenn Sie Alkohol konsumieren, tun Sie dies in Maßen und mit Achtsamkeit. Ein einzelnes, hochwertiges Getränk in angenehmer Gesellschaft kann erfüllender sein als der Konsum mehrerer Gläser einfach so, ohne bewusste Wahrnehmung.

3. Probieren Sie alkoholfreie Alternativen einfach mal aus!

Die Auswahl an geschmackvollen, alkoholfreien Getränken wächst ständig. Mittlerweile gibt es leckere, kreative Mocktails oder fermentierte Getränke, die einen Genuss ohne Nebenwirkungen bieten.

4. Reflektieren Sie Ihre sozialen Rituale!

Oft ist es gar nicht der Alkohol an sich, sondern das damit verbundene Ritual, welches Ihnen wichtig oder vertraut ist. 

5. Machen Sie regelmäßige Pausen!

Phasen des bewussten Verzichts, etwa unter der Woche oder über einen längeren Zeitraum, können Ihrem Körper Erholung bieten und Ihr Wohlbefinden nachhaltig fördern.

Manchmal liegt die Kraft in kleinen Entscheidungen. Vielleicht ist heute der Tag, an dem Sie beginnen, achtsamer und bewusster mit Alkohol umzugehen?

Denn in den letzten Jahren beobachten Fachleute einen besorgniserregenden Trend: Immer mehr Frauen greifen regelmäßig zu Alkohol, oft unbemerkt und gesellschaftlich akzeptiert. Besonders Frauen in der Lebensmitte sind häufiger davon betroffen. Zwischen beruflichem Druck, Familienverantwortung und hormonellen Veränderungen wird Alkohol nicht selten als Mittel zur Entspannung oder zum Stressabbau genutzt. 

Wenn Sie einmal Ihren Umgang mit Alkohol überprüfen oder herausfinden möchten, ob manche Ihrer Symptome womöglich auf den Alkoholkonsum zurückzuführen sind, kommen Sie gerne auf mich zu. Ich unterstütze Sie u.a. auch dabei, einen für Sie stimmigen Zugang dazu zu finden, wie Sie Ihren Konsum ggf. nachhaltig ändern können: kontakt@stefanie-schwarz.de

Noch ein kleiner Exkurs zu Ayurveda und Alkohol:

Im Ayurveda wird Alkohol nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern differenziert betrachtet. In kleinen Mengen und in bestimmten Zubereitungen kann er sogar als Trägermedium für Heilpflanzen dienen, etwa in Form von ayurvedischen Arishtas (fermentierte Kräuterauszüge). Entscheidend sind dabei immer die Dosis, die individuelle Konstitution (Dosha) und der gesundheitliche Zustand. 

Alkohol wird als „scharf“, „heiß“ und „bewegend“ beschrieben, was vor allem das Pitta-Dosha erhöhen kann. In Phasen hormoneller Umstellung, wie in den Wechseljahren, kann dies wie oben geschildert zu einer Verstärkung von Symptomen wie Hitzewallungen, Reizbarkeit oder Schlafstörungen führen.

Auch Ayurveda empfiehlt daher einen bewussten, maßvollen Umgang mit Alkohol und betont die Bedeutung von Achtsamkeit, Selbstbeobachtung und dem Respekt vor den eigenen Grenzen.

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