Gelenkbeschwerden in den Wechseljahren

am Beispiel der Frozen Shoulder

Viele Frauen erleben in den Wechseljahren nicht nur Hitzewallungen oder Schlafstörungen, sondern auch unspezifische Gelenkbeschwerden. Häufig können solche Formen von nicht klar einzuordnenden Gelenkbeschwerden und Muskelschmerzen ein erster Hinweis sein, dass sich hormonell etwas verändert.

Viele Frauen bringen aber diese Beschwerden gar nicht mit den Wechseljahren in Verbindung. Sondern in der Regel gehen sie mit ihren Beschwerden zum niedergelassenen Orthopäden. 

Was sagen die Fachärztinnen und Fachärzte dazu:

Dr. med. Karsten Christesen, Orthopädisch-Unfallchirurgische Praxis Rotherbaum in Hamburg: „Viele orthopädische Behandlungen sind stark symptomorientiert und fokussieren sich auf strukturelle Veränderungen wie Arthrose, Bandscheibenvorfälle oder Verletzungen. Hormonelle Einflüsse, wie sie in den Wechseljahren auftreten, werden dabei von uns Orthopäden nicht unbedingt mitgedacht, weil sie nicht in das klassische orthopädische Diagnoseschema passen. Wir suchen eher nach klassischen Ursachen für diese Beschwerden. Zudem ist die Schulmedizin häufig noch sehr spezialisiert und fragmentiert. Vereinfacht ausgedrückt: Die Gynäkologie kümmert sich um Hormone, die Orthopädie um Gelenke, aber die Verbindung dazwischen wird seltener hergestellt“.

Gerade bei unspezifischen Gelenkschmerzen ohne eindeutigen Befund (wie es bei hormonell bedingten Gelenkschmerzen bedingt sein kann) und welche sich nicht im Röntgenbild oder einer MRT-Aufnahme befunden lassen, erfolgt die Diagnose auf normale altersbedingte Abnutzungserscheinungen. Häufig versehen mit dem Hinweis: „Nehmen Sie bei Bedarf ein Schmerzmittel ein.“

Solche Aussagen können sehr frustrierend sein, vor allem wenn die Beschwerden real und belastend sind. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Frauen in dieser Lebensphase ganzheitlich begleitet werden, mit einem Verständnis für die körperlichen, die hormonellen, und auch emotionalen Veränderungen.

Auch die sogenannte Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis) kann ein Symptom der Wechseljahre sein. In Japan gilt die Frozen Shoulder als typisches Leitsymptom der Wechseljahre, während es in Deutschland eher die Hitzewallungen sind. Eine Frozen Shoulder tritt vor allem bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren auf und kann mit den hormonellen Veränderungen in dieser Lebensphase zusammenhängen. 

Was ist überhaupt eine Frozen Shoulder:

Dr. med. Christesen

„Die primäre Form der Frozen Shoulder tritt ohne klar ersichtlichen Grund auf, sodass die Ursache tatsächlich als unbekannt gilt. Trotzdem gibt es eine Reihe von Grunderkrankungen die das Auftreten einer Frozen Shoulder wahrscheinlicher machen. So begünstigen Schilddrüsenerkrankungen, Nebennierenstress oder ebenso wie Diabetes, Herzerkrankungen die Entstehung einer Frozen Shoulder. Sie ist eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter, die sich schleichend entwickelt und typischerweise in drei Phasen verläuft:

  1. Schmerzphase (Freezing): Zunehmende Schmerzen, vor allem nachts und bei Bewegung
  2. Steifephase (Frozen): Die Schmerzen lassen nach, aber die Beweglichkeit ist stark eingeschränkt
  3. Lösungsphase (Thawing): Die Beweglichkeit kehrt langsam zurück, oft über Monate hinweg

Es gibt weiterhin die sogenannte sekundäre Frozen Shoulder. Diese  kann infolge von Verletzungen (z. B. Ruptur der Rotatorenmanschette oder Knochenbrüche) der Schulter auftreten. Ebenso können verschleißbedingte Erkrankungen des Schultergelenks (Schulterarthrose) oder Operationen im Schulterbereich eine Frozen Shoulder auslösen.“

Was hilft bei einer Frozen Shoulder und wie lange dauert sie an?

Dr. med. Christesen

„Leider ist die Behandlung einer Frozen Shoulder in der Regel sehr langwierig und komplex:

  • Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente sind zu Beginn aus ärztlicher nicht zu umgehen.
  • Sanfte Mobilisation durch Physiotherapie oder gezielte Übungen können helfen, die Schulter beweglich zu halten.
  • Sowohl Kälte- als auch Wärmeanwendungen je nach Phase können unterstützen. So fördert Wärme z.B. in der nicht-entzündlichen Phase die Durchblutung und beeinflusst damit Verspannungen positiv.
  • Eine entzündungshemmende Ernährung ist hilfreich. 
  • Und leider braucht die Behandlung viel Geduld und Zeit, die Heilung kann sich über zwei Jahre hinziehen. Das ist für meine Patientinnen und Patienten zunächst erstmal ein Schock. Darüber hinaus können Stress und Überlastung den Verlauf verschlechtern und verlängern.“

Viele Frauen berichten in den Wechseljahren über neu auftretende oder sich verstärkende Gelenkschmerzen. Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und Gelenkschmerzen wird dabei oft unterschätzt. Die Beschwerden zeigen sich diffus, mal in den Fingern, dann in den Knien oder im unteren Rücken. Das macht die Beurteilung und die Ursachenfindung so komplex. Besonders morgens oder nach längeren Ruhephasen fühlen sich die Gelenke steif und unbeweglich an. Viele Frauen berichten, dass sie morgens 15 bis 30 Minuten brauchen, um sich wieder richtig zu bewegen. Dabei fällt der Begriff Morgensteifigkeit immer wieder. Von den Frauen wird das als „normales Älterwerden“ abgetan, doch tatsächlich steckt manchmal ein hormoneller Zusammenhang dahinter.

Aber warum ist das so?

Hormonelle Schwankungen beeinflussen das Schmerzempfinden. Frauen berichten mir in den Sitzungen häufiger, dass sie in empfindlicher auf körperliche Belastung reagieren und sich langsamer z.B. nach einer körperlichen Aktivität regenerieren.

Was viele nicht wissen: Diese Beschwerden stehen häufig in direktem Zusammenhang mit dem hormonellen Wandel. Der sinkende Östrogenspiegel wirkt sich nicht nur auf die Haut und Schleimhäute aus, sondern auch auf das Bindegewebe, die Gelenkkapseln und die Knorpel. Östrogen hat eine entzündungshemmende Wirkung und unterstützt die Regeneration des Gewebes. Fehlt dieses Hormon, kann es zu Mikroentzündungen, verminderter Gelenkschmierung und einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit kommen. Auch Testosteron und Progesteron können auf die Gesamtsituation Einfluss nehmen. Aber nicht in dem Maße wie Östrogen. Auch der Stoffwechsel verlangsamt sich in dieser Lebensphase, was zu einer Gewichtszunahme führen kann. Mehr Gewicht bedeutet mehr Belastung für die Gelenke, insbesondere für Knie, Hüfte und Rücken.

Was könnte helfen?

Leider lassen sich die Gelenkprobleme nicht mit den typischen Schmerzmitteln „wegtherapieren“. Es braucht  einen ganzheitlichen Blick auf Körper, Geist und Lebensstil. Hormonelle Veränderungen wirken auf vielen Ebenen, und genau dort können Sie positiv Einfluss nehmen:

  • Ernährung als Basis

Eine entzündungshemmende Ernährung kann Viel wirken. Viel buntes Gemüse, hochwertige Fette wie Omega-3 aus Lein- oder Fischöl, wenig Zucker und verarbeitete Lebensmittel helfen, stille Entzündungen zu reduzieren. 

Konkret: Anti-Entzündungs-Booster in die Ernährung integrieren

Kurkuma, Ingwer, Leinöl, grünes Blattgemüse und Beeren sind natürliche Entzündungshemmer. Am besten täglich in die Ernährung einbauen.

  • regelmäßige Bewegung

Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung hält die Gelenke mobil und stärkt die Muskulatur. Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu hören und Überlastung zu vermeiden. Lieber regelmäßig und sanft als selten und intensiv. Besonders die alltäglichen Bewegungen können eine Menge bewirken. 

Konkret: Beweglich in den Tag starten

Morgens 5 bis 10 Minuten sanfte Dehnübungen oder ein paar Runden Gelenkmobilisation (z. B. Schulterkreisen, Fußgelenke kreisen) helfen, die Steifigkeit zu lösen.

  • Stressreduktion

Nicht der Stress als solches wirkt sich negativ aus, aber die damit verbunden körperlichen Veränderungen wie z.B. eine erhöhte Muskelspannung. Chronischer Stress fördert zudem Entzündungen und verstärkt Schmerzen. Entspannungsmethoden helfen, das Nervensystem zu beruhigen und die Regeneration zu fördern.

Konkret: Achtsamkeit und Selbstfürsorge kultivieren. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sich.

  • Wärme gezielt einsetzen 

Ölmassagen (Abhyanga) mit warmem Sesamöl oder speziellen Kräuterölen nähren das Gewebe, fördern die Durchblutung und wirken entspannend. 

Ein warmes Bad mit ätherischen Ölen wie Rosmarin oder Lavendel, eine Wärmflasche im unteren Rücken oder ein warmes Sesamöl auf schmerzende Gelenke wirken entspannend und durchblutungsfördernd.

  • Schlaf und Regeneration

Ein erholsamer Schlaf ist essenziell für die Regeneration des Körpers. Abendroutinen, ein geregelter Schlafrhythmus und ggf. pflanzliche Unterstützung (z. B. Lavendel, Passionsblume) können hier helfen.

Wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern, ist es wichtig, medizinischen Rat einzuholen: Bei Interesse können Sie Terminbuchungen über doctolib bei Dr. med. Christesen vornehmen:

https://www.doctolib.de/einzelpraxis/hamburg/praxis-rotherbaum-christesen-karsten/booking

Wann treten Gelenkbeschwerden in den Wechseljahren besonders auf?

Gelenkbeschwerden können grundsätzlich in allen Phasen der Wechseljahre auftreten, zeigen sich aber besonders häufig in der Perimenopause und der frühen Postmenopause. In der Perimenopause, also der Übergangszeit vor der letzten Regelblutung, beginnen die Hormonspiegel stark zu schwanken. Diese hormonellen Achterbahnfahrten wirken sich auf das Bindegewebe, die Gelenkschmiere und die Schmerzempfindlichkeit aus.

In der frühen Postmenopause, wenn der Östrogenspiegel dauerhaft niedrig ist, fehlen die schützenden und entzündungshemmenden Effekte des Hormons. Das kann zu einer Zunahme von Gelenksteifigkeit, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen. Besonders betroffen sind oft Hände, Schultern, Knie und der untere Rücken.

Denn hormonell bedingte Gelenkbeschwerden in den Wechseljahren können sich in ihrer Symptomatik durchaus ähnlich anfühlen wie rheumatische Erkrankungen. Um hier Klarheit zu schaffen, kann ein Blutbild tatsächlich weiterhelfen.

Laut Dr. med. Christesen sind folgende Laborwerte bei der Abklärung rheumatischer Erkrankungen besonders relevant:

  • CRP (C-reaktives Protein): ein Entzündungsmarker, der bei akuten oder chronischen Entzündungen erhöht ist
  • BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit): ebenfalls ein Entzündungsparameter, der bei rheumatischen Prozessen oft erhöht ist
  • Rheumafaktor (RF): kann bei rheumatoider Arthritis positiv sein, ist aber nicht immer aussagekräftig, da er auch bei Gesunden vorkommen kann
  • Anti-CCP-Antikörper: spezifischer für rheumatoide Arthritis als der Rheumafaktor.
  • ANA (antinukleäre Antikörper): können bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus erhöht sein
  • Harnsäure: wichtig zur Abgrenzung von Gicht, die ebenfalls Gelenkbeschwerden verursachen kann.

Wenn diese Werte unauffällig sind und keine klinischen Hinweise auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung bestehen, spricht vieles für eine hormonell bedingte Ursache. In diesem Fall ist eine gynäkologische Abklärung sinnvoll.

Mein Fazit: 

Beschwerden wie Gelenkschmerzen in den Wechseljahren werden leider häufiger nicht in ihrem hormonellen Kontext erkannt. Viele Frauen bekommen dann rein symptomatische Behandlungen, ohne dass die eigentliche Ursache berücksichtigt wird.

Deshalb ist es mir so wichtig, ganzheitlich zu denken und interdisziplinär zusammen zu arbeiten. Genau hier setze ich an: Schulmedizinisches Wissen mit hormonellem Verständnis und dem Wissen des Ayurvedas zu verbinden. Kommen Sie auf mich zu, wenn Sie nicht weiter vorankommen: www.stefanie-schwarz.com

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